Konrad Beikircher verabschiedet sich vom Rheinland
Der Kabarettist beendet seine Bühnenkarriere und nimmt Abschied von seinem rheinischen Publikum in Herchen
von Sylvia Schmidt - Rhein-Sieg-Anzeiger vom 5. Juni 2026
Windeck - Der Südtiroler Konrad Beikircher und die Rheinländer verbindet eine innige Liebe. Als er vor 60 Jahren nach Bonn kam, um „Züschologie“, wie der Rheinländer die Psychologie nennt, zu studieren, faszinierte ihn schnell deren Sprache – ebenso wie ihr ausgeprägtes Talent, sich und anderen das Leben möglichst angenehm zu gestalten. Fortan hörte er genau hin und sezierte mit Hingabe alles, was ihm zu Ohren kam.Nun verabschiedete sich der Kabarettist nach 48 Bühnenjahren mit seinem Programm „Arrivederci!“ im Herchener Haus des Gastes endgültig von der Bühne. Ohne jede Aufforderung hallte auf seine Frage „Wie is et?“ das vielstimmige „Jot!“ aus dem Publikum zurück. Bereits 1992 war Beikircher erstmals im Windecker Ländchen aufgetreten.Nach seinem Freund Hanns Dieter Hüsch war er der zweite Künstler, den der Matineeverein verpflichtete – und trug damit dazu bei, dass sich bis heute große Namen des Kabaretts in Herchen die Klinke in die Hand geben. Seitdem kehrte er immer wieder mit neuen Programmen oder zu besonderen Anlässen zurück.
48 Jahre auf der BühneStets war das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt, und auch zum Abschied belagerten seine Fans den Saal. Bürgermeisterin Alexandra Gauß und Vertreter der Kreissparkasse Köln nutzten den besonderen Anlass, um dem Matineeverein eine Spende zu überreichen.
Beikirchers Gedanken schweiften zurück ins Jahr 1993, als ihn eine Parodontose nach „Siebursch“ führte. Gewohnt ausschweifend erzählte er die Geschichte eines vom Zahnarzt eingesetzten Provisoriums. Natürlich spielte dabei auch die Besetzung des Rheinlandes durch die Preußen eine Rolle. Schließlich hätten die Franzosen unter Napoleon den Rheinländern beibringen wollen, was „akkerat“ sei – nämlich der rechte Winkel. Ganz so „akkerat“ saß Beikirchers Provisorium nach der Anprobe allerdings nicht, obwohl aus den Nachbarkabinen immer wieder ein optimistisches „Jot!“ erklang, wenn der Arzt nach dem Sitz fragte. Am selben Abend stand ein Auftritt in Mönchengladbach an.
Mit Schwung begrüßte der Kabarettist sein Publikum – und sah im nächsten Moment sein Provisorium durch den Saal fliegen. „Hat jemand meine Zähne gesehen?“, improvisierte er und rettete sich charmant aus der Situation. Noch heute werde er auf diesen Auftritt angesprochen, erzählte er. Blühende Fantasie, feine Beobachtungsgabe und die Faszination für die leichtfüßige rheinische Sprache, die Wörter zum Tanzen bringt und Dinge ausdrücken kann, ohne dass Außenstehende verstehen, worum es geht – davon konnte sein Publikum nie genug bekommen. „Dat, wo mer eben von dröver dran waren, do wollt ich Sie gleich noch ens dröver frogen“, zitierte er als Beispiel. Einen nicht unerheblichen Anteil an seinem Erfolg hatte dabei eine Frau, die nie auf der Bühne erschien. Jahrelang hieß es in seinen Programmen: „Saach ens, Frau Walterscheid!“Der Rheinländer, so Beikircher, liebe das Unfertige und könne mit dem Fertigwerden wenig anfangen. „Der Dom ist ein Zustand, ein Jeföhl. Der kann nicht fertig werden.“ Dieser Gedanke scheint auch tief in seiner eigenen Seele verwurzelt zu sein.
Mit einem Dankeslied für viele schöne Jahre verabschiedete sich Beikircher schließlich von seinem Publikum und wurde mit stehenden Ovationen gefeiert. Sicher ist: Er hat dem Rheinland unendlich viel Lachen geschenkt – und die Freude daran, über sich selbst lachen zu können. Sein Kollege Jürgen Becker bezeichnete ihn einst als den „Erfinder des Rheinlandes“.
Mitteilungsblatt Windeck, 08.09.2017
Happy Birthday Matineeverein
Jubiläumsvorstellung im Herchener Haus des Gastes gefeiert
Der Windecker Matineeverein feiert mit einem ersten Highlight sein 25-jähriges Jubiläum gemeinsam mit Vertretern des Rhein-Sieg-Kreises, der Gemeinde, Unterstützern, Sponsoren und seinem treuen Publikum.
Unter den Gratulanten waren u.a. der Landrat Sebastian Schuster, der Leiter des Kulturamtes Rainer Land, der stellvertretende Bürgermeister Daniel Stenger, Frau Christiane Rasche-Hüsch, Giovanni Vetere sowie der Regionaldirektor Bernd Prangenberg und Direktor Ralf Klösges von der Kreissparkasse Köln.
In seiner Laudatio würdigte der Landrat das ehrenamtliche Engagement der 14 Frauen und Männer, die vor und hinter den Kulissen seit vielen Jahren ein kulturelles Angebot der Extraklasse auf die kleine Bühne im Haus des Gastes bringen. Dabei bewies er, dass er selber durchaus eine kabarettistische Ader hat. Und so geriet seine Rede zum launigen "Vorprogramm" für den Künstler des Abends.
Das Jubiläum wurde mit dem Programm "Bin völlig meiner Meinung" von Konrad Beikircher eröffnet. Mit ihm hatte der Matineeverein nicht nur einen alten Freund von Hanns Dieter Hüsch verpflichten können, sondern auch einen Künstler, der dem Verein selber seit langem verbunden ist. Warmherzig und humorvoll erinnerte er sehr persönlich an den ganz Großen des deutschen Kabaretts, dem der Verein letztendlich seinen Erfolg verdankt.
Mit großem Vergnügen plauderte er sich durch Anekdoten und Histörchen und bewies dabei, was für ein begnadeter Unterhalter und Geschichtenerzähler er ist. Konrad Beikircher fühlte sich beim Windecker Matineeverein ganz offensichtlich ausgesprochen wohl. Nach über drei Stunden verabschiedete ein bestens gelaunter Konrad Beikircher sein begeistertes Publikum und versprach: "Ich komme gerne wieder."
Begleitend zum Jubiläumsprogramm zeigt das Gründungsmitglied des Vereins, Dr. Wolf- Rüdiger Weisbach, im Haus des Gastes eine Bilderausstellung mit dem Titel "Nachdenkliche Bilder".





